In diesem Beitrag geht es nicht um Angststörungen wie Agoraphobie (Angst vor großen Plätzen und Menschenansammlungen), Klaustrophobie (Angst vor geschlossenen Räumen) oder Arachnophobie (Angst vor Spinnen), sondern um die ganz alltägliche Angst sowie ihre Auslöser und Verstärker. Enden möchte ich dann mit Vorschlägen, sich dieser Angst zu stellen und mit Tipps wie diese bewältigt werden kann.

Ganz wichtig ist, leiden Sie unter einer Angststörung wie z. B. die oben genannten, ist der Weg zum Therapeuten unumgänglich. Coaching ist keine Therapie und kann diese auch nicht ersetzen.

Gerade in der aktuellen Corona-Krise lässt sich sehr gut beobachten wie diffuse Ängste unseren Alltag bestimmen und die Menschen geradezu lähmen.
„Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“, heißt es unter Journalisten. Die meisten Menschen sind weitaus interessierter an dramatischen Meldungen, bis hin zu Katastrophen, als an positiven Nachrichten – und wir bekommen sie deshalb auch aus dem hintersten Winkel dieser Erde.

Wenn man Tag für Tag Angst machende Informationen aufnimmt, bleibt das für eigenen Gemütszustand nicht ohne Folgen. Die Psyche verändert sich und beginnt, die Welt und alles unbekannte als Bedrohung zu empfinden oder sogar regelrecht danach zu suchen. Zwar soll man vor dem Elend dieser Erde nicht die Augen verschließen; man sollte aber auch erkennen, dass der dichte Informationsstrom der Massenmedien seine Konsequenzen hat.

Angst entsteht aus der Situation heraus, etwas um jeden Preis vermeiden oder auf keinen Fall verlieren zu wollen. Angst raubt uns die Kontrolle und macht uns handlungsunfähig wie es das sprichwörtliche Kaninchen ist, das vor der Schlange sitzt. Dies führt zu einem selbstgewählten Gedanken-Gefängnis, in das wir uns freiwillig begeben.

Angst ist unser Beschützer

Angst ist ein Gefühl, dass evolutionär in uns angelegt ist um uns zu schützen.
Für unsere Vorfahren in der Steinzeit war es überlebensnotwendig übervorsichtig und ängstlich zu sein. Deshalb wurde eine unbekannte Situation immer erst einmal als Bedrohung eingestuft, da das Rascheln im Gebüsch ein Raubtier sein konnte oder die Gruppe fremder Jäger auch ein feindlicher Stamm sein konnte, der ein Auge auf die Jagdbeute geworfen hatte.

Raubtiere und feindliche Stämme gibt es heutzutage eher weniger, an ihre Stelle sind Prüfungen, Gespräche mit Vorgesetzten, Zahnarzttermine oder die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes getreten. Der Schutzmechanismus, der dem Steinzeitjäger das Überleben sicherte, ist nach wie vor aktiv und nennt sich Kampf- oder-Flucht-Reaktion.

Kampf-oder-Flucht-Reaktion (engl. fight-or-flight response) ist ein von dem
US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon geprägter Begriff. Die Kampf-oder-Flucht-Reaktion beschreibt die akute körperliche und seelische Anpassung des Menschen in Gefahrensituationen als Stressreaktion. Während dieser Reaktion veranlasst unser Gehirn über spezifische Nervenbahnen die schlagartige Freisetzung der sogenannten Stresshormone wie z. B. Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, die eine akute Leistungssteigerung veranlassen. Dadurch haben wir mehr Kraft zum kämpfen (Kampf) oder können schneller laufen, um zu fliehen (Flucht). Der große Nachteil dabei ist, dass unsere kognitiven Fähigkeiten massiv eingeschränkt werden.

Dies liegt an den verschiedenen Funktionsweisen unseres Gehirns.
Unser Gehirn setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Da wären das Großhirn, Kleinhirn, Stammhirn und einige andere Teile, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erledigen:

Das Stammhirn beispielsweise ist mit ca. 500 Millionen Jahren der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des Gehirns. Diesen Gehirnteil besitzen alle Wirbeltiere. Bei Reptilien besteht das Gehirn sogar fast ausschließlich aus diesem, weshalb es auch manchmal „Reptiliengehirn“ genannt wird. Es ist für alle lebenswichtigen Funktionen verantwortlich wie zum Beispiel Atmung und Herzfrequenz. Dieser Gehirnteil übernimmt auch die Führung, wenn Gefahr droht und benötigt deshalb in dieser Phase die meiste Energie.

Wenn an der einen Stelle jedoch mehr zur Verfügung gestellt wird, muss an anderer Stelle etwas eingespart werden. Dass geschieht u. a. dadurch, dass die Verbindung zum Großhirn blockiert wird; Denkprozesse sind in dieser Phase nicht mehr möglich. Besonders deutlich wird dies bei Prüfungssituationen, wenn das Erlernte plötzlich nicht mehr abrufbar ist und im Kopf sich eine gefühlte Leere ausbreitet.

Prüfungen sind jedoch nicht das Einzige was an die Stelle von Säbelzahntigern und Steinzeitjägern getreten ist. Viele Menschen plagt die Angst vor Veränderungen. Sie bleiben lieber in einem aussichtslosen Job oder einer kaputten Beziehung, als etwas an ihrer Situation zu verändern. Die Gründe dafür können vielfältig sein, z. B. die Angst keinen neuen Job zu finden oder die Angst alleine zu sein.

Wege aus der Lähmung der Angst

Entschließen Sie sich dazu, sich neu auszurichten, werden Sie vier verschiedene Zonen durchlaufen:

• Komfort-Zone
• Angst-Zone
• Lern-Zone
• Wachstums-Zone

Als Beispiel möchte ich hier die zweite Zone, die sogenannte Angst-Zone nennen. In dieser Zone werden Sie auf Ihre Befürchtungen und die Angst zu scheitern treffen. In dieser Zone sind Sie noch abhängig von der Meinung anderer. Diese Zone ist geprägt von mangelndem Selbstvertrauen.

Auch wenn die menschliche Entstehungsgeschichte uns so konzipiert hat, können wir lernen, die Mechanismen zu verstehen und sie steuern zu können. Wird beispielsweise die Angst-Zone überwunden, öffnen sich neue Welten und Möglichkeiten.
Keine Urteile, keine Bewertungen – Achtsamkeit kontrolliert Angst

Ist es überhaupt möglich, Angst abzustellen? Nein, aber darum geht es auch nicht. Es geht um das richtige Maß. Man kann sie beeinflussen und lernen zu kontrollieren – indem man Achtsamkeit übt. Dabei geht es darum, den eigenen Gedanken und der Umwelt zu jedem Augenblick absichtsfrei gewahr zu sein. Indem wir uns bemühen im Jetzt zu sein, fällt es uns leichter, Menschen, Situationen und Dinge urteils- und damit angstfreier zu betrachten.

Ein Prinzip der Achtsamkeit ist es Dinge anzunehmen – Gefühle, Ereignisse, Situationen. Die allermeisten sind es gewohnt, alles, was ihnen begegnet, in ein bestimmtes Wertesystem einzuordnen, zu bewerten. Wer von diesen Urteilen Abstand nimmt und stattdessen die Dinge annimmt, wie sie sind, wird erleben, dass sich viele Probleme von alleine in Luft auflösen. Das bedeutet nicht, dass man eine Gleichgültigkeit gegenüber den Geschehnissen entwickelt, sondern dass man Herr seiner eigenen Gefühle wird.
Damit meine ich, die aktuelle Situation als solche anzunehmen. Annehmen darf man jedoch keinesfalls mit Hinnehmen verwechseln. Etwas hinzunehmen, ist das hilflose Geschehen lassen, ohne dass wir darauf Einfluss nehmen können oder wollen.
Annehmen bzw. Akzeptieren bedeutet, keine Energie mit Verleugnung oder Widerstand zu vergeuden, denn wie kann man ein Problem lösen, wenn man es permanent verleugnet oder dagegen Widerstand leistet? Wenn wir die Situation akzeptieren, können wir sie relativ objektiv bewerten und nach einer Lösung suchen.

Ein einfaches Beispiel:

Wir planen für das Wochenende eine Grillparty. Nun meldet der Wetterbericht einen Tag vorher Regen. Wir haben jetzt mehrere Möglichkeiten. Wir können den Regen verleugnen nach dem Motto: „Es wird schon nicht regnen. Der Wetterbericht irrt sich ja häufig.“ Oder wir ärgern uns über den Wetterbericht und zerstören damit nicht nur unsere gute Laune, sondern werden den Regen, besonders, wenn er kommt, zum Problem machen.
In beiden Fällen verbauen wir uns die Sicht auf Alternativen.

Humor besiegt Angst

Die meisten werden Sprichwörter wie z. B. „Lachen ist die beste Medizin“ oder „Lachen ist gesund“ kennen. Sie spiegeln die Erkenntnis wider, dass eine humorvolle Lebenseinstellung positiven Einfluss auf unseren Alltag nimmt, sei es dadurch, dass es uns leichter fällt Herausforderungen zu meistern bis hin zu tatsächlichen gesundheitlichen Wirkungen.

Es muss zum besseren Verständnis hier darauf hingewiesen werden, dass mit Humor nicht Comedy gemeint ist. Es geht dabei nicht darum, sich über alles lustig zu machen oder etwas ins Lächerliche zu ziehen. Humor ist eine bejahende und tendenziell optimistische Lebenseinstellung.

Im Gegensatz zu negativen Gefühlen wie beispielsweise Angst, die nur eine Fokussierung auf Problem bzw. den Angstauslöser zulassen, öffnet Humor neue Sichtweisen. Ein herausragendes Beispiel für die unglaubliche positive Kraft des Humors bietet die Geschichte von Viktor Frankl (1905 – 1997). Viktor Frankl war ein österreichischer Neurologe und Psychiater, der von 1941 bis 1946 Häftling im KZ Ausschwitz war. Frankl und seine Mitgefangenen schlossen eine Vereinbarung. Sie vereinbarten, dass sie sich jeden Tag einen Witz erzählen mussten, um sich den Grausamkeiten des KZs und den Schikanen der Aufseher entziehen zu können. Nach Ende des zweiten Weltkriegs und der Befreiung aus dieser Hölle schrieb Viktor Frankl ein lesenswertes Buch über seine Erfahrungen im KZ mit dem Titel „… trotzdem Ja zum Leben sagen (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager)“.

Es gibt viele Wege zum Ziel

Angst kann uns schützen, aber auch ein großes Hindernis sein, welches nicht selten unüberwindlich wirkt. Es gibt wirksame Möglichkeiten, der Angst so zu begegnen, dass sie kein Hindernis mehr darstellt. Coaching bietet eine Vielzahl von Tools, die eine wirksame Unterstützung bieten und solche Möglichkeiten eröffnen.